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Montag, 30. April 2012

29.04.2012 - Stadtführung Zürich

Endlich war das Wetter mal gut! Deswegen habe ich die Gelegenheit gleich genutzt und bin bei der Altstadtführung mitgelaufen. 
Wollte euch  nur kurz ein paar Bilder zeigen!


Los ging es am Hauptbahnhof. Zunächst mit ein paar Bahnhofs-Funfacts unter dem Engel von Nikki de Saint Phalle ...

nach einem Abstecher in die Bahnhofsstraße sind wir am Limmatufer entlag zur Schipfe gelaufen...

... weiter durch verhältnismäßig großzügige Gassen...

enge und niedrige Gässchen

mit Blick auf die St. Peters-Kirche (mit dem größten Zifferblatt Europas)
hoch zum Lindenhof, wo man diese fanatische Aussicht genießen kann!


und diese auch... Limmatbötchen (Regula und Felix)

Neben vielen Dachterassen, Schnörkeln und Erkern, gibt es auch viele Türmchen in Zürich...

noch eine Gasse, diesmal auf dem Weg zum Großmünster und zum Fraumünster (vorbei am Lenin-Haus)

Nach zwei Stunden wurden wir noch mit einem schönen Blick in Richtung See belohnt :D

Die Stadtführung kostet 20 CHF und dauert 2 Stunden. Man deckt wirklich alles was wichtig ist in der Altstadt ab. Ein wenig gefehlt haben mir so die versteckten Winkel und Ecken. Den Großteil habe ich auf meinen eigenen Erkundungstouren schon gefunden. Nichtsdestotrotz war es informativ und interessant. 

Samstag, 28. April 2012

28.04.2012 - Das Moulagen-Museum

Ich hatte das Moulagenmuseum ja HIER schon erwähnt und heute war ich dann doch dort. Zugegebenermaßen, dachte ich zunächst: “Juhu ein Museum für Dermageeks!“ und der einzige Grund warum ich dann doch hin bin, ist um meine Dermalücken wenigstens ein bisschen zu schließen (Grund dafür: siehe hier). 

Es ist ja auch einfach so, dass sehr viel in der Dermatologie einfach Blickdiagnosen sind und wenn es bei uns im Unterricht an etwas gefehlt hat, dann an guten Beispielen hierfür. Man muss natürlich aus sagen, einen derart unenthusiastischen Unterricht wie in der Dermatologie habe ich vorher (und nachher) noch nie erlebt. 
Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass es sicherlich nicht uninteressant ist und wenn ich als Nebeneffekt noch was lerne, warum denn nicht? 
Moulagenmuseum die Erste
Ich sollte vielleicht erklären, was Moulagen sind. Die Erstellung von Moulagen entwickelte sich eigentlich aus der Not heraus. Farbfotographie war noch nicht erfunden und die Erkrankungen in Skizzen abzubilden war unbefriedigend. So kam man auf die Idee Wachspräparate von Hauterkrankungen zu erstellen (teilweise gibt es sie auch von inneren Organen, aber das hat sich nicht durchgesetzt, weil es hierfür sehr gute Konservierungstechniken gibt). 
Es wird erst ein Abdruck genommen und von diesem Negativ ein Positivmodell abgegossen. Dann wird das ganze in minutiöser Kleinarbeit bemalt und fixiert. Ein bisschen wie Madame Tussaud‘s, nur eben mit Hauterkrankungen. 

Wie ich ja schon mehrfach klar gemacht habe, ist Derma nicht mein Ding (es ist eklig und wenn Patienten sagen es just überall verspüre ich auch das Bedürfnis mich zu kratzen... Hypochonder ahoi!). Trotzdem war ich sehr beeindruckt von der Sammlung. Ein Großteil der Präparate stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Inzwischen werden die Moulagen kaum noch hergestellt und nur noch die bestehenden konserviert. 

Das Moulagenmuseum ist nur ein größerer Raum, aber man findet hier das komplette Spektrum der Dermatologie abgebildet. Spannend ist auch, dass man zum Teil auch sehr extreme Formen von Erkrankungen betrachten kann, denen man heute in dieser Form gar nicht mehr (Pocken) oder höchstens in der dritten Welt begegnet. Von Vorteil ist auch, dass die Moulagen sehr detailgetreu nachgebildet und - anders als auf Bilder - dreisimensional sind. 
und die zweite...

Soweit, so gut, aber lohnt sich ein Besuch im Moulagenmuseum denn? Meiner Meinung nach: ja. Für Medizinstudenten und auch Ärzte um mal ihre Dermakenntnisse ein wenig aufzufrischen. Für die Allgemeinbevölkerung ist die Ausstellung aber auch nicht schlecht, denn sie ist auch für Laien sehr gut aufgearbeitet, sodass man wirklich was versteht.


Details

                                                    Haldenbachstrasse 14
8091 Zürich
Tram 9 und 10 Haltestelle Hallendach

Mittwoch    14 -18 Uhr
Samstag    13 -17 Uhr

Eintritt frei

Mittwoch, 25. April 2012

25.04.2012 - Kunsthaus Zürich

Die Vorteile vom Spätdienst sind wirklich nicht zu verachten. Man kann gemütlich ausschlafen und frühstücken und hat danach Zeit für alles mögliche bis der Dienst beginnt.
Nachdem mittwochs der Eintritt ins Kunsthaus gratis ist, war es naheliegend das auszunutzen.

Alte Meister
Neben der Sammlung gibt es auch immer eine oder 2 zwei Sonderausstellungen. Für diese zahlt man immer Eintritt (lohnt sich aber!). Dass das Kunsthaus sehr sehenswert ist, war klar. Nicht umsonst ist es in jedem Reiseführer als „Top-Sehenswürdigkeit“ gelabelt. Zürich ist auch bekannt als eine Stadt für Kunstfreunde im Allgemeinen und Freunde der Modernen Kunst im Speziellen.

Nachdem ich ja schon lange wusste, dass es sich lohnt das Kunsthaus zu besuchen, hatte ich schon einige Erwartungen an die Sammlung. Es ist schließlich nicht das erste der großen Kunstsammlungen die ich gesehen habe.

Monet & Rodin

Trotzdem war ich von der Sammlung wirklich schwer beeindruckt. Die Bandbreite reicht von den alten Meistern bis zur Creme de la Creme der Gegenwartskunst. Bilder, Skulpturen, Videoinstallationen. You name it, you‘ll find it.
Auf dem Weg zu Munch
Aber nicht nur das ist spannend. Die Sammlung ist sehr hochkarätig. Es hängt da eben nicht irgendein van Gogh, sondern das Selbstportrait mit abgeschnittenem Ohr (neben diversen anderen). Man besitzt nicht nur einige Bilder von Munch, nein. Man besitzt die größte Munch-Sammlung außerhalb Norwegens. Und so weiter und so fort, ihr versteht schon worauf ich hinaus will.

Die Raumeinteilung ist aber definitiv die verwirrendste die ich jemals erlebt habe. Trotz Raumplan war es schwierig sich zurechtzufinden. Wenn man es einmal verstanden hat ist es okay, aber es ist nicht ganz einfach. 

Die Sonderausstellung „Ein Wintermärchen“ ist übrigens auch sehenswert. Der Winter wird im Verlauf der Jahrhunderte in verschiedensten Kunstwerken portraitiert und beleuchtet. Interesssant wie sich die künstlerische und auch allgemeine Wahrnehmung mit der Zeit geändert hat. 

Ach ja, bevor ich es vergesse: es gibt auch kostenlose Audioguides. Teilweise sind die Bildbeschreibungen und Analysen etwas langatmig, aber größtenteils sind sie wirklich gut. 

Fazit: der Besuch lohnt sich definitiv, aber man sollte genug Zeit mitbringen um der Sammlung auch gerecht zu werden. Besser noch man geht mehr als einmal hin wenn man länger in Zürich ist. Ich war nach den 4,5 Stunden die ich dort war doch ziemlich erschlagen.

Dienstag, 10. April 2012

10.04.2012 - Grossmünster

Hallöchen!

Eigentlich habe ich mir schon vor einer ganzen Weile das Grossmünster angesehen und bin auf den Turm hochgekraxelt, aber ich bin bisher noch nicht dazu gekommen darüber zu schreiben.

Ich hatte netterweise von meiner Assistenzärztin früher frei bekommen und bei dem absoluten Traumwetterchen, war es naheliegend die Gelegenheit für schöne Bilder zu nutzen.
Das Grossmünster ist eines der Zürcher Wahrzeichen, weshalb man bei 4 Monaten in der Stadt schon einmal da hin sollte.

Zu den Fakten: das Münster wurde im 12. Jahrhundert gebaut und seitdem immer wieder umgebaut und erweitert. Die Türme sind je 62 Meter hoch und einen davon (den Karlsturm) kann man über 187 Stufen besteigen (kostet 4 CHF). Ansonsten sind im Grossmünster noch die Krypta und die Fenster von Siegmar Polke sehenswert.

Grossmünster von unten...
Offensichtlich war ich erstmal scharf auf die Aussicht, weshalb ich mich auf den Weg nach oben machte. Ich hatte etwas Zeitdruck im Nacken (in einer halben Stunde sollten die Türme abgeschlossen werden...), weshalb ich versuchte so schnell wie möglich die Treppen zu besteigen. Limitierender Faktor war da aber leider meine Höhenangst. Meine Güte, was für eine bescheuerte Treppe. Warum muss man denn Geländer bauen unter denen man durchrutschen könnte? Und warum kann man nicht nach jeder Treppe einen Boden einziehen??? (Weil es unnötig ist, ich weiß schon... aber es wäre so viel angenehmer!!)

Oben angekommen wurde ich aber mit einer wirklich traumhaften Aussicht belohnt!


Zürich von oben 1

und 2; hier mit Blick auf den See

Weil natürlich nicht nur die Aussicht sehenswert ist, bin ich auch noch in die Krypta und habe mir die Fenster angesehen. Dafür gibt es anscheinend sogar eigene Führungen. Meiner Meinung nach braucht es die nicht wirklich, aber die Fenster sind interessant. Keine klassischen Kirchenfenster. 




Das Abendprogramm war passend zum traumhaften Wetter übrigens Grillen auf der Dachterrasse von der  Platte (das hässlichste Gebäude der ganzen Stadt...).


die famose "Platte" - vom 18. Stock aus hat man eine unglaubliche Aussicht über Zürich.


Samstag, 3. März 2012

03.03.12 - Zürich: First Impressions

Kaum zu glauben. Meine erste Woche im PJ ist schon vorbei! 
Nachdem ich meine ersten Tage nur in der Klinik, mit Einkaufen und Organisationskram verbracht habe ist es jetzt allerhöchste Zeit auf Erkundungstour zu gehen. 
Das Wetter ist der absolute Wahnsinn (knapp 20°C, blauer Himmel  und strahlender Sonnenschein), weshalb es naheliegend ist, das Fahrrad zu nehmen. 
Mein erstes Ziel: der Kreis 5. Ich gebe zu, das ist nicht wirklich DIE Sightseeing Location, aber ich hab einerseits Lust zu radeln und andererseits will ich eine Runde knipsen. Davon abgesehen hat mein Taschentick zugeschlagen und will, dass ich den den „Freitag-Tower“ genauer inspiziere.

Der Freitag Tower
Der Kreis 5 Iiegt im Zürcher Westen und ist so gar nicht Zürich. Wenn ich an Zürich denke, dann fallen mir in ersten Linie kleine Häuschen und schmale Gassen ein. Der Kreis 5 war früher einmal das Industrie- und Arbeiterviertel. In den 1980ern starb das Viertel aus, die Arbeiter zogen weg und es kamen die Studenten und Künstler und es mutierte zum Trendviertel. Soviel dazu. Was ich ganz spannend finde, ist die Tatsache, dass das Viertel voller Gegensätze ist. Einerseits stehen noch viele alte Fabrikhallen, die heute anderweitig genutzt werden, andererseits gibt es hier sehr viele hochmoderne Bauten. 
Old & New
Der Freitag Tower ist auch eine witzige [Für die Menschen ohne Taschentick: die Freitag Taschen sind diese (Umhänge)Taschen, die aus alten LKW-Planen gefertigt werden und (leider) sauteuer sind] Sehr passend zur Markenphilosophie haben die Herren Freitag einen Turm aus 17 alten Überseecontainern bauen lassen. Hier findet sich auch - wie könnte es anders sein - ein Freitag Flagshipstore. Auf 3 Etagen gibt es alle Modelle der Firma. Wenn man sich durch diese gekämpft hat (der Laden war echt absolut rappelvoll!), kann man über mehrere Treppen, die Spitze des Turms erklimmen. Von dort aus hat man eine ganz nette Aussicht über die Stadt.
Wer das entsprechende Kleingeld hat, kann hier übrigens auch hervorragend shoppen. Was ich besonders cool fand, waren die vielen Läden, die unter den Bögen des alten Eisenbahnviadukts ihre Lokale haben. Hier merkt sich auch, dass man im Trendviertel der Stadt ist. Viele kleine Designer haben hier einen Laden. 
Viadukt
Mir gefällt die Atmosphäre hier sehr gut. Es gibt an jeder Ecke was zu sehen und es einfach ein bisschen anders als der Rest von Zürich. 
Ich bin später natürlich auch noch ein wenig in die Altstadt. Die ist sehr verwinkelt und verschnörkelt. Hübsch, aber einfach der totale Gegensatz.
Das war‘s auch schon für heute. Nur Impressionen sammeln.
Zürich am Abend

Freitag, 22. April 2011

22.04.2011: Gondar 2

So, Tag 2 in Gondar. Wir haben beschlossen uns einen gemütlichen Tag zu machen und nicht in die Simien Mountains zu fahren. Warum? Das ist einfach zu erklären. Ich habe die Geschichte von dem „Guide“ gegoogelt, weil ich ein komisches Gefühl bei der Sache hatte. Schon beim 3. Link wurde ich fündig. Es wurde von „Guides“ berichtet, die einem Halbtagesausflüge in die Simien Mountains anbieten, um die Gruppe zu füllen. Wenn man zusagt, dann sind anscheinend die Mitreisenden plötzlich weg und der Trip wird teurer und die Herrschaften finden wohl auch noch viele andere Gründe um noch mehr Geld zu nehmen als abgesprochen. Vorsicht Falle!
Als der Guide mich später am Nachmittag also angerufen hat, habe ich angefangen unangenehme Fragen zu stellen, woraufhin ich ausweichende Antworten bekam und dann brach auch noch die Verbindung zusammen. Seltsam. Einige Stunden später rief er wieder an, ob wir nun mitkommen würden. Ich vertröstete ihn auf später, damit ich mich mit den anderen absprechen konnte. Eine halbe Stunde verging, da klingelte das Telefon wieder. Wieder der Guide. Ich hatte den anderen berichtet was ich rausgefunden habe (unter anderem auch, dass es gar nicht in die Simiens geht, weil man allein einen halben Tag fahren muss um zu den Ausläufern zu kommen) und wir haben beschlossen nicht mitzufahren. Genau das habe ich dem Guide dann auch erklärt. Dann ging es aber rund. Er hätte den Engländerinnen schon gesagt dass wir kommen, er will jetzt das Geld von uns und und und. Er wurde richtig ausfallend! Daraufhin habe ich ihm erklärt, dass ich der Geschichte nicht ganz traue und wir so erst Recht nicht mitkommen würden. Er fing an weiter zu fluchen. Da reichte es mir aber endgültig und ich legte auf. Er hat im Laufe des Abends immer wieder versucht mich zu erreichen, aber ich habe einfach nicht mehr darauf reagiert.
Ein bisschen hart, könnte man jetzt sagen. Vielleicht war es ja doch ein ehrlicher Mensch. Das hatte ich kurzzeitig auch gedacht, aber nachdem wir heute mehrfach mit der identischen Masche angesprochen wurden, glaube ich das nicht.
Nachdem wir wieder im Telecafé gefrühstückt und ein wenig nach Souvenirs geshoppt hatten, war unser nächstes Ziel das Gondar Museum. Uns wurde in der Touristeninformation empfohlen das Museum zu besichtigen, weil es sehr interessant sei. Dazu kann ich nur sagen: interessant geht anders! Zunächst darf man 50 ETB Eintritt berappen, um dann Highlights wie Haile Selassie's Esstisch zu sehen. Das war ja noch halbwegs in Ordnung, aber als wir in ein paar Hinterzimmer geführt wurden, dachten wir der Führer wollte uns verarschen. In einem Raum stand eine vollkommen durchgesessene, alte Couchgarnitur, in einem anderen befand sich ein altes, kaputtes Badezimmer. Anscheinend Hinterlassenschaften der Italiener. Spannend...
Wenn ihr vor habt, euch dieses Museum anzusehen, kann ich nur empfehlen es zu lassen. Selbst umgerechnet 2 € Eintritt waren zu viel für diesen „Schmarrn“.
Alte Möbel von der italienischen Besatzungsmacht. Ja, um das zu sehen haben wir Geld ausgegeben...

Damit hatten wir alle Sehenswürdigkeiten in Gondor abgehakt und Zeit ein wenig zu bummeln. In Gondar sieht man die Spuren, die die Italiener in den 1930er Jahren hinterlassen haben sehr deutlich, vor allem aber in der Architektur. Beim Laufen durch die Stadt fühlte ich mich immer wieder an Stadtviertel in Italien erinnert, ganz besonders aber an der Piazza (da wo auch das Telecafé ist).

Die Piazza. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich glauben wir sind in Italien.  Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man rechts das Telecafé!



Weil wir Zeit hatten und Gondar noch ein wenig genießen wollten, sind wir noch einmal zum Goha Hotel gefahren. Die Aussicht ist einfach zu schön dort! So konnten wir Gondar bei einem Mittagessen und Kaffee noch ein wenig auf uns wirken lassen, bevor wir uns auf den Weg nach Bahir Dar machten.

Et voilà: die Aussicht vom Goha Hotel (im Bild: der Gemp)

Donnerstag, 21. April 2011

21.04.2011: Gondar

Wer hat eigentlich so frühe Flüge erfunden? Ich hasse ihn! Nach einer viel zu kurzen Nacht und dem Frühstück in einem Burgerladen, waren wir wieder am Flughafen. Unglücklicherweise hatte der Burgerladen keine Kaffeemaschine und ich war auf schwerem Koffeinentzug. Wie kann man mir so etwas nur antun? Eine Qual!
Der Flughafen in Addis ist ein wenig technologisierter als der Flughafen in Jimma. Deshalb waren die Sicherheitskontrolle und der Checkin wie aus Europa gewohnt. Sogar zugeteilte Sitzplätze haben wir heute. Toll!
Bevor wir zu unserem Gate durften, mussten wir und unser Handgepäck durch eine weitere Kontrolle. Danach ging die Warterei los, wie immer wenn man fliegt.
Unser Flugzeug war wieder eine Propellermaschine und ich bin noch vor dem Abheben eingeschlafen. Kurz vor dem Tana-See wurde ich von einer Stewardess mit Essen geweckt. Kaffee wäre mir lieber gewesen. Aber so konnte ich noch ein wenig die Landschaft unter mir auf mich wirken lassen.
In Gondar gelandet haben wir unser Gepäck vom kürzesten Gepäckband der Welt geholt und dann versucht ein halbwegs günstiges Taxi in die Stadt zu finden. Billiger als 50 ETB pro Person ging es leider nicht, aber man kann nicht alles haben.
Wieder erwartete uns die Hotelsuche. Im Reiseführer hatten wir das „Terrara Hotel“ gefunden, das als günstig und gut deklariert wurde. Mit 75 ETB für ein Einzelzimmer mit Dusche ist es tatsächlich günstig, aber gut ist was anderes. Das Niveau entspricht in etwa der Halleluja Pension in Abra Minch und auf noch eine Nacht in der ich nicht schlafen kann weil ich Angst habe, dass mir eine Kakerlake in den Mund krabbelt, hatte ich echt keine Lust.
Nach ein wenig Überzeugungsarbeit ließen die anderen sich breit schlagen, sich noch 1 – 2 andere Hotels anzusehen. Zurückkommen kann man immer noch. Gleich neben dem „Terrara Hotel“ steht die „Crown Pension“. Eine nette kleine Pension, mit großen, schönen, sauberen Zimmern und Bad mit warmem (!!) Wasser. Der Luxus kostet 270 ETB für das Doppelzimmer, aber war es wert. Die Inhaber sind sehr bemüht und die Lage ist auch sehr gut.
Das geklärt haben wir uns auf Futtersuche begeben, die uns ins Telecafé geführt hat. Ein Tipp von einer aus unserer Gruppe, die vor uns in Gondar war. Ich kann den Tipp nur weitergeben. Das „Ful“ ist super, auch sonst haben sie gutes Essen, der Kaffee ist lecker und die Bedienung freundlich. Auch die Preise sind nicht übertrieben.
An der Post wurden wir, während die Jungs Briefmarken kaufen waren, von einem Typen angesprochen. Ob wir geplant hatten in die Simian Mountains“ zu fahren. Das hatten wir natürlich nicht, aber er machte uns ein interessantes Angebot: er habe da schon zwei englische Mädels, die morgen für einen halben Tag in die Simien's fahren wollen und noch Mitfahrer suchen. Kostenpunkt in etwa 250 ETB pro Person und Treffen heute Abend um 17 Uhr um alles weitere zu besprechen. Das klang schon irgendwie cool, aber in einem halben Tag Simien's und zurück? Man kann es sich ja mal anhören und dann entscheiden was man macht.
Unser nächstes Ziel war das Goha Hotel. Das teuerste Hotel der Stadt und definitiv nicht unbedingt in unserer Preisklasse, aber von dort hat man eine wahnsinns Aussicht über Gondar. Ich kann nur empfehlen für einen Kaffee oder ein Essen dort hin zu fahren und den Blick von der Terasse aus zu genießen.
Zurück im Zentrum, machten wir uns auf den Weg zum Gemp. Die Palastanlage ist eine der Sehenswürdigkeiten, die man in Gondar gesehen haben sollte. Sie wurde von 6 aufeinanderfolgenden Kaisern erbaut und ist von einer Schutzmauer umgeben. In der riesigen Anlage gibt es auch einiges zu sehen, zum Beispiel die sechs Schlösser die von den Kaisern erbaut wurden. Die Tradition in Äthiopien war zu dieser Zeit, dass der Sohn, nachdem er dem Vater auf den Thron gefolgt war, ein neues Schloss errichtet und dieses mit seiner Familie bezieht. Die restlichen Verwandten lebten nach der Fertigstellung aber weiterhin im alten Palast.
Nur ein kleiner Ausschnitt vom Gemp. Das Gelände ist riesig!
Hier die Tourifacts zum Gemp: Eintritt für den Gemp und das Bad des Fasilidas beträgt 100 ETB. Für die Leute die nicht zu dumm sind ihren Studentenausweis mitzunehmen kostet er nur 75 ETB. Außerdem hat man am Ticketoffice auch die Möglichkeit einen Guide zu buchen. Das sind keine Pseudoguides, wie sie einem in Addis und auch in anderen großen Städten hier gern begegnen, sondern staatlich angestellt und geprüfte Führer, die wissen wovon sie reden und gut Englsch sprechen. Für 150 ETB gibt es den Führer für den Gemp unf für 300 ETB einen Führer für den Gemp, das Bad des Fasiladas und die Debre Selassie Kirche. Wir haben zusammengelegt und den Guide für alle 3 Sehenswürdigkeiten genommen. Meiner Meinung nach hat sich das auf jeden Fall gelohnt. Hier ist es nicht so, wie bei uns, dass überall Informationstafeln stehen, die einem erklären was man so sieht und selbst die beste Beschreibung im Reiseführer ist nicht so hilfreich wie ein Guide.
Der Gemp ist auf jeden Fall beeindruckend. Ich finde die Bezeichung „Camelot Äthiopiens“ ist nicht ganz unberechtigt. Auch sind die Palastanlagen wirklich bemerkenswert, auch wenn sie teilweise zerfallen sind. Das hat man einerseits der Zeit, andererseits, aber leider auch den italienischen Belagerern zu verdanken, die beim Verlassen des Landes vieles zerstört haben. Vieles wurde in jahrelanger Kleinarbeit durch die UNESCO restauriert. Schritt für Schritt wird man durch Jahrhunderte von äthiopischer Geschichte geführt und lernt welche Intrigen teilweise hinter den Palästen stecken. Da hat der eine Bruder den anderen vergiftet um an die Macht zu kommen, die Mutter den Sohn über Jahre als Regentin vertreten, weil der Vater zu früh gestorben ist und und und. Ich liebe solche Geschichten; sie hauchen den Steinen leben ein.
Witzig ist auch, dass es im Gemp eine antike Sauna und auch ein Jacuzzi gab, direkt neben dem Löwenkäfig.
Damit dieser Bericht nicht absolut unlesbare Längen annimmt, höre ich besser auf vom Gemp zu erzählen und mache weiter mit dem Bad des Fasilidas.
Nach einer kurzen Bajaj-Fahrt kommt man bei dieser Anlage an. Vor ihr befindet sich ein alter Marschierplatz aus den Zeiten der DERG. Drinnen erwartet einen ein riesiges Becken (ca. 70 x 40 m), in dessen Mitte ein Haus steht. Das Becken ist leer und wird heutzutage nur einmal im Jahr zur Feier der Taufe Jesus gefüllt. Im 17. Jahrhundert wurde es von Fasilidas als Schwimmbad genutzt. Auch dieses Bauwerk ist beeindruckend. Insbesondere die Technik die dahinter steckt, finde ich spannend. Das Becken wird nämlich über einen umgeleiteten Fluss gefüllt (damals wie heute) und ist auch leicht abschüssig gebaut, sodass das ganze Becken durch ein einziges Loch geleert werden kann. Wenn das Bad heute gefüllt wird, dann dauert es 3 Wochen bis es komplett gefüllt ist.
Das Bad des Fasilidas - das Wasser Reicht bis zum Balkon, wenn das Bad gefüllt ist
Etwas ganz besonderes sind auch die Bäume die die Anlage umgeben. In das Gebäude, das mitten im Bad steht, kann man übrigens nicht gehen, weil es bis heute als religiöses Gebäude genutzt wird.
Wie genial sind die Bäume??
Nach einer weiteren Fahrt mit dem Bajaj, waren wir an der Debre Selassie Kirche angekommen. Bereits der zweite Versuch heute die Kirche zu besichtigen, weil sie früher am Nachmittag für einen Gottesdienst geschlossen war (heute ist ja Gründonnerstag...).

Ein paar orthodoxe Frauen nach der Messe
 Wir kamen gerade Recht, denn in dem Augenblick wo wir aus dem Bajaj stiegen, strömte eine Menschentraube aus der Kirche. Da haben wir aber Glück gehabt. Die Debre Selassie Kirche ist besonders bekannt für ihre traditionellen Malereien (denen werden wir in Bahir Dar auch noch mehrfach begegnen). Diese Malereien sind ganz anders, als das was man aus Europa kennt. Vom Stil her sind sie vielleicht am ehesten noch mit der Romanik zu vergleichen (relativ einfache Formen, keine Perspektive, aber viel bunter). Auch die Technik ist eine ganz andere als in Europa's Kirchen. Die Bilder werden auf Tüchern gemalt, die dann mit einer Art Kleber auf die Wand aus Lehm und Dung aufgebracht. Die Farben werden aus verschiedensten Pflanzensäften gewonnen (Pigmente hat man erst viel später kennengelernt). Interessant. Während unserer Besichtgung, ging die Messe übrigens weiter, denn in der Karwoche wird praktisch durchgebetet. Hier haben sich übrigens auch die Jahre als Ministrantin ausgezahlt: ich konnte die ganzen Geschichten zu den Wandmalereien erzählen.

So, hier noch ein Bild von der Decke der Kirche und jetzt höre ich endlich auf zu schwafeln!


Mittwoch, 20. April 2011

20.04.2011: Los geht’s!

Spontantrip Episode 2! Es ist echt lustig wie sich auf dieser Reise das Reisen immer so zufällig ergibt. Erst die Mursi und jetzt dieser Trip. So perfekt kann es manchmal laufen.
Nach einem Vormittag zwischen packen, in der Stadt letzte Besorgungen machen und Mitbringsel besorgen, haben wir noch mit den anderen zu Mittag gegessen und sind dann zurück in unser Hotel um unser Gepäck zu holen.
Abgeholt wurden wir von zwei Bajajs und auf ging es zum Flughafen. Auf der Fahrt dorthin lieferten sich die Fahrer ein kleines Wettrennen, was für uns wirklich amüsant war.
Am Jimma Airport angekommen wurden wir zuerst mehrfach von Polizisten/Soldaten kontrolliert. Etwas mulmig war mir dabei, denn die waren alle mit Gewehren ausgestattet.
Wie auch immer, der Check-In war lustig. Zuerst zeigt man diesen Wisch aus dünnem Papier vor und man wird auf eine Liste eingetragen, dann wird das Gepäck auf eine Waage gestellt, die vermutlich aus den 50ern ist und gewogen. Danach reicht man seinen Koffer über einen Tisch an einen Mitarbeiter weiter, der fordert dass man alles aufschließt. Dann wird ohne Rücksicht auf Verluste alles durchwühlt. Sehr schön... Aber was soll man machen, es gibt kein Röntgengerät, das das Gepäck scannt. Nachdem das alles passiert ist und man seinen Koffer irgendwie wieder zugesperrt hat (wozu habe ich eigentlich ordentlich gepackt??) wird er auf einen Trolley verfrachtet und darf da warten.
Man selbst mach auch selbiges und setzt sich ins Freie. Das ist wirklich ganz schön, noch ein bisschen draußen zu sitzen, sich seine Schuhe putzen zu lassen und zu ratschen.
Die Gepäckwaage...

und die Gepäckaufbewahrung ^^
Ungefähr eine Stunde vor Abflug ging es zur Sicherheitskontrolle, die aus 2 Tischen und einem Metalldetektor besteht. Die Tasche wird komplett ausgeräumt und jedes einzelne technische Gerät muss an und ausgeschaltet werden. Sehr seltsam. Nachdem man durch den Metalldetektor ggangen ist wird man noch intensivst abgetastet, bevor man seine Sachen wieder abholen darf.
Ab dann hieß es nur noch auf das Flugzeug warten. Jimma ist nur ein Zwischenstopp den der Flug von Arba Minch nach Addis Abeba einlegt.
Als unser Flugzeug endlich da war (eine kleine Propellermaschine) und alle eingestiegen waren, konnte es auch gleich weitergehen. Wart ihr übrigens schon mal in einem Flugzeug mit freier Platzwahl? Ich kann das jetzt von mir behaupten.
Der Blick über Jimma war echt schön, aber auch relativ schnell wieder unter den Wolken verschwunden, aber eine halbe Stunde Wolken ansehen ist jetzt auch erträglich, denn dann setzten wir auch schon zum Landeanflug an und sahen Addis von oben,
Nachdem die üblichen Formalitäten erledigt waren und wir „unseren“ Taxifahrer Check angerufen hatten, war das nächste Ziel ein Hotel und dann etwas zu Essen zu finden. In Bole (ein Stadtviertel von Addis, das nahe am Flughafen ist) war nichts gutes und günstiges zu finden, so fiel unsere Wahl auf das Taitu Hotel. Das älteste Hotel in Addis ist recht zentral gelegen und preislich in Ordnung. Wir haben 300 ETB für einen Twin Room mit Bad gezahlt. Sauberkeit ist etwas grenzwertig, aber für ein oder zwei Nächte kann man damit schon leben. Großes Plus: es gibt gratis WLAN.
Um 7 wurden wir wieder abgeholt und in ein Restaurant gefahren. Wir alle hatten Lust endlich mal wieder etwas anderes zu essen als Injera und deshalb ging es zum Chinesen (China Bar & Restaurant). Man würde es bei diesem einladenden Namen nie denken, dass man hier gut essen kann, aber so ist es! Definitiv empfehlenswert.
Nach einem gemütlichen und leckeren Abendessen ging es zurück hat Hotel. Hauptbeschäftigung: skypen! Das erste Mal seit ich in Äthiopien bin Skype funktioniert und das musste ich selbstverständlich ausnutzen.
Wie auch immer, ganz zu spät darf es nicht mehr werden, denn unser Flug nach Gondar geht morgen um 7.30 Uhr und wir werden um 5.30 Uhr abgeholt.
Daher: Gute Nacht, nächster Bericht folgt aus Gondar!


Montag, 18. April 2011

18.04.2011: Geburtstag

Wieder einmal bin ich an meinem Geburtstag im Ausland. So langsam wird es wirklich zur Gewohnheit.
Eigentlich hatte ich ja nicht so richtig Lust auf meinen Geburtstag, aber der Tag war echt gut!
Zum einen hat meine CBTP-Gruppe beschlossen, dass sie auf ihre Examen lernen wollen und deshalb habe ich heute frei und zum anderen haben sich heute so einige Pläne ergeben.
Jana und ich sind nämlich dank des freien Tages spontan in die Stadt gefahren, um uns am Ethiopian Airlines-Schalter nach Flügen zu erkundigen. Ja, zugegebenermaßen haben wir einen winzigen Lagerkoller momentan. Außerdem ist die Ausicht, dass hier in Jimma über die Osterfeiertage nichts im CBTP passieren wird, ein wenig deprimierend. Hier rumsitzen und Däumchen drehen während wir reisen könnten, ist eine etwas deprimierende Vorstellung!
Deshalb also zum Ethiopian Airlines Büro und nach Flügen fragen. Nur zur Information, damit wir am Nachmittag vielleicht mal mit den anderen reden können ob wir vielleicht wirklich was machen.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Unsere erste Reiseroute (Jimma – Addis – Bahir Dar und zurück) war schon ausgebucht, eine andere Route (Ziel: Gondar) für den gewünschten Tag auch nicht mehr zu bekommen. Wir Schlauköpfe wollen ja auch genau über Ostern verreisen. Dann der Durchbruch! Es gäbe die Option:

20.04.2011 Jimma – Addis Abeba
21.04.2011 Addis Abeba – Gondar
zwischendurch mit dem Bus von Gondar nach Bahir Dar (da wollten wir eh auch hin!)
24.04.2011 Bahir Dar – Addis Abeba
25.04.2011 Addis Abeba – Jimma

Klingt super!! Das müssen wir nachmittags gleich den anderen erzählen!
ABER... es gibt nur noch 6 Plätze. Das hat die Entscheidungsfindung ganz erheblich beschleunigt. Zuerst haben wir Moritz und Daniel angerufen, dass die gleich bei uns vorbei schauen sollen (sie waren eh gerade unterwegs in die Stadt) und dann ging die Grübelei los. Können wir das wirklich machen? Was kostet es (alles zusammen 2940 ETB)? Was sagen unsere Gruppen?
So viele Fragen!
Als erstes haben wir alle unsere Team Leader angerufen und mit denen das Programm der Woche besprochen. Als es offensichtlich war, dass am Wochenende nichts laufen wird, war die Entscheidung auch schon fast getroffen.
Als die Bezahlung auch geregelt und sichergestellt war, dass alle Flüge zur Verfügung stehen, war klar: wir fahren!
Wie guuuuut! Ihr könnt euch das ja nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe! Ich bin seit ich weiß, dass ich für den Austausch angenommen wurde, davon ausgegangen, dass ich nicht reisen kann, weil die Zeit zu knapp sein wird. Und jetzt klappt es plötzlich doch und auch noch an meinem Geburtstag! Ich hätte Purzelbäume schlagen können! Einfach der Wahnsinn!
Alles weitere war schnell geregelt. Die Supervisor wurden auch noch um Erlaubnis gefragt (wir wollen den Austausch ja nicht gefährden, es kommen ja auch noch Leute nach uns) und die „offiziellen“ Stellen informiert.
Nachdem alles abgesegnet war, war mein Geburtstag wirklich absolut perfekt, daran konnten auch 30 Fragebögen die in SPSS eingegeben werden mussten nichts mehr ändern.

Sonntag, 10. April 2011

10.04.11: Spontantrip Tag 4: Auf nach Hause!

Ich kann gar nicht beschreiben, wie schrecklich ich mich nach der Nacht in der „Halleluja Pension“ fühle. Ich habe die halbe Nacht kein Auge zugetan, weil ich ständig Angst hatte, dass mir gleich eine Kakerlake oder etwas anderes ekliges in den Mund krabbeln könnte. Und dieses Bad...! Ich möchte gerade einfach nur in einer Wanne voll Sterilium baden! Dieses Loch, heißt bestimmt nur deshalb „Halleluja Pension“ weil man „Halleluja“ ruft wenn man es verlässt. Ich bin ja auch nicht wahnsinnig verwöhnt, nachdem ich ziemlich viel in Jugendherbergen übernachtet habe. Kaltes Wasser und mittelprächtig bis schlechte Sauberkeit in den Zimmer und teilweise seltsames Klientel ist alles kein Problem, aber das??? Keinesfalls empfehlenswert! Wenn ihr jemandem diesen Tipp gebt, dann ist das ein Beweis dafür, dass ihr diese Person nicht mögt!
Wie auch immer, ich war auf jeden Fall erleichtert das Dreckloch verlassen zu haben und nie, nie, nieeeeeeeee wieder einen Fuß hineinsetzen zu müssen.
Was kann ich euch über die Rückfahrt sonst noch so berichten, was ich nicht schon erzählt habe? Wegen des CBTP-Beginns mussten wir zurück nach Jimma fahren und konnten nicht die Alternativroute Addis – Jimma (kürzer, bessere Straße, etwas billiger) nehmen.
Ansonsten, war die Straße bescheiden bis mittelprächtig, wie am ersten Tag auch und wir haben es tatsächlich geschafft Panne Nummer 5 zu verbuchen.
Die Fahrt an sich war wirklich sehr anstrengend, weil es 8 Stunden über schlechte Straßen ging. Bei unseren Zwischenstopps wurden wir – wie üblich von Kindern umzingelt, die entweder „Foto, Foto“ oder „Highland, Highland, Highlaaaaand“ haben wollten.
Weiters ist bemerkenswert, dass wir vor Sonnenuntergang in Jimma angekommen sind! Wir machen Fortschritte. Nach einem Abschiedsessen mit unserem Guide und unserem Fahrer, und dem Versprechen eines Wiedersehens in Addis, waren wir alle sowas von reif für die Dusche. Endlich ein sauberes Bad (egal, dass das Wasser die Temperatur von Schmelzwasser hatte) und eine Dusche. Ich glaube ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so unfassbar dreckig und eine halbe Stunde unter eiskaltem Wasser hat auch noch nie so gut getan.

Mein Fazit: Ich bin kaputt, mir tut jeder Knochen und jeder Muskel meines Körpers weh und ich bin dreckig. Ich bin in 4 Tagen knappe 2000 km über beschissenste Straßen gefahren, wir hatten 5 Autopannen und ich habe im schlimmsten „Hotel“ meines Lebens übernachtet.
ABER: ich habe einen wunderschönen und großen Teil Äthiopiens gesehen, war bei den Mursi, von denen niemand weiß, wie lange sie ihre Kultur aufrecht erhalten können und habe Dinge erlebt, die ich sonst niemals erlebt hätte. Ich finde das war die 200 € die der Spaß gekostet hat auf jeden Fall wert. Es waren wirklich anstrengende 4 Tage und ich bin viel im Auto gesessen. Ich denke, hätte man 6 – 8 Tage Zeit gehabt, wäre der Trip noch schöner und entspannter gewesen, aber auch schoin so hat es sich absolut gelohnt.
Hiermit noch ein großes Dankeschön an Andrea, die alles organisiert hat und mich (und die anderen 2) mitgenommen hat.

Samstag, 9. April 2011

09.04.11: Spontantrip Tag 3 – Bei den Mursi

Es ist schwer zu glauben, aber nach dem unglaublichen Gewitter letzte Nacht, scheint jetzt tatsächlich die Sonne, als wäre nichts gewesen. Lediglich der Matsch beweist, dass es geregnet hat.
Hoffentlich ist letzterer kein Problem für unseren ramponierten Jeep. Nicht dass wir noch eine Panne haben...
Um halb 8 ging es los in den Nationalpark und in Richtung Mursi. Ich hatte ja leichte Bedenken, dass die Straßen im Park nach den Gewitter gesperrt sein könnten (jede andere Panne hatten wir ja schon mitgenommen, warum nicht auch diese?) doch zum Glück war alles in Ordnung. Es ging relativ steil bergab über die verschlammten Straßen, aber unser Jeep mit Allradantrieb meisterte jede Hürde mit Bravour.
Nach dem Checkpoint für den Nationalpark ging es immer weiter in die Tiefen des Nationalparks. Auf dem Weg zu den Mursi begegneten uns viele Tiere: TikTiks (eine Art Miniantilopen), bunt schillernde Vögel, unzählige Schmetterlinge und eine Schildkröte. Hätten wir mehr Zeit gehabt wären es sicherlich noch mehr gewesen.
Irgendwo mitten im Park, haben wir an einem Baum einen Mann mit Gewehr eingesammelt. Ein Scout, der uns zu den Mursi führen soll und für uns dolmetschen soll (die Mursi haben ihre eigene Sprache). Weiter ging also die Fahrt. Auf der weiteren Strecke sind wir auch an einigen der Mursi vorbei gefahren, die sich auch schon in die besten Posen warfen und riefen „5 Birr, 5 Birr, Foto, Foto!“Die wissen, warum wir da sind...
Nachdem wir an zwei leblos wirkenden Strohhüttensiedlungen vorbei gefahren sind, kamen wir endlich am Mursidorf an. Unser Guide gab uns eine kurze Einführung, wie wir uns verhalten sollen. Zum Beispiel erklärte er uns, dass wir für jedes Foto das wir machen bezahlen müssen und auch, dass die Mursi die Klicks der Kamera mitzählen. Außerdem warnte er uns auch vor dass die Mursi auch aggressiv werden können, weshalb auch der Scout dabei ist.
Ein paar Mursi Basics: sie sind ein kleines, traditionell lebendes Volk im Mago Nationalpark. Der Grund warum sie weltweit bekannt sind, ist die Praktik den Frauen die Unterlippe zu dehnen und Teller einzusetzen. Mit 15 Jahren beginnt man damit ein Loch in die Unterlippe zu stechen, welches durch das einsetzen immer größer werdender Teller innerhalb von 2 Jahren aufgedehnt wird. Außerdem verzieren Männer wie Frauen ihre Körper mit Narben und Bemalungen. Die Bekleidung besteht aus bunten Stoffen und Ziegenhaut.
Auch bei den Mursi gibt es das „Cattle Complex“ Phänomen. Das bedeutet, dass Rinder nicht zum Handeln und zur Ernährung der Familie da sind, sondern ein Statussymbol. Um eine Frau heiraten zu dürfen muss der Bräutigam beispielsweise 20 Rinder und eine Kalaschnikow an den Brautvater zahlen.
Interessanterweise haben selbst die Mursi mitbekommen, dass es AIDS gibt. Natürlich wissen sie nicht genau was das ist, aber es gibt die Regel, dass Geschlechtsverkehr mit Menschen außerhalb des Stammes verboten ist. Das ist wichtig, weil die Mursi-Frauen nämlich nach der Geburt eines Kindes 3 Jahre lang nicht mit ihren Ehemännern schlafen müssen. Dafür „darf“ der Mann „rumvögeln“, aber eben nur mit Mursi-Frauen.
Wie auch immer, back to topic.
Während unser Guide uns ein bisschen Hintergrundwissen über die Mursi vermittelt hat, versammelten sich immer mehr Mursi um uns. Als Kalkidan seine Ausführungen beendet hatte, kam eine seltsam angespannte Stimmung auf. Es hatte ein bisschen was von dieser Ruhe vor eine Schlacht beginnt. Dann galt es sich auszusuchen, wen man fotografieren möchte. Ich kam mir vor wie auf dem Rindermarkt, gerade so als würde ich mir das schönste Tier zum schlachten aussuchen. Irgendwie widerlich, aber wenn man ein Foto möchte, muss man das Spiel mitspielen.
Zuerst habe ich einen jungen Mursi-Mann fotografiert, mit diversen Ziernarben, dann habe ich eine Frau mit Kind fotografiert. Schon ist man 20 ETB ärmer. Die wissen was sie verlangen müssen. Vor allem wissen sie aber einen zu bedrängen. Ich wollte ein Bild von einer jungen Frau haben und plötzlich war ich von mindestens 20 Mursi umlagert. Intimabstand. Was ist das? Interssiert die sowas von überhaupt nicht! Ich hatte ein Top, das mit Perlen bestickt ist, an und das hätten die mir fast vom Leib gerissen. Ich hatte plötzlich einfach mal 5 Paar Hände auf meinem Busen, die andere hat versucht meine Perlen an so einem Bändchen von meinem Top abzumontieren, während 3 weitere meine Frisur (ich hatte noch meine Cornrows) inspiziert haben. Ich stand dazwischen und konnte mich absolut nicht bewegen. Schrecklich, ich habe mich noch nie so bedrängt gefühlt: Gleichzeitig habe ich mich aber auch nicht getraut aus dieser Menschentraube auszubrechen, weil ich überhaupt nicht abschätzen konnte, wie die Mursi reagieren würden. Schlussendlich hat der Scout mich dann gerettet und sie „verscheucht“.
Die anderen hatten in der Zwischenzeit fleißig Fotos gemacht. Ich habe es gerade noch so hinbekommen, eine Gruppe von Frauen zu fotografieren und zu bezahlen, als wir versuchten uns loszureißen. Das war wirklich nicht einfach, die Mursi wollten uns nämlich partout nicht gehen lassen. Es war ein richtiger Kampf bis wir am Auto waren. Man versuchte ständig uns noch zum Fotografieren zu bewegen und zwar auf die aggressive Art.
Es war auch bizarr, wie die Mursi in ihren traditionellen Kleidern, mit ihren Waffen und Tellerlippen durch die Gegend liefen und dabei Bündel von Geld in der Hand hielten (und zwar nur schöne 1 Birr Scheine, hässliche nehmen sie nämlich nicht!). Endlich am Auto angekommen (hatte ich erwähnt, dass wir 10 Minuten für 10 Meter gebraucht haben?), mussten wir noch einen „Obermursi“ bezahlen. Immerhin nochmal 100 ETB pro Person. Erst dann konnten wir uns ins Auto retten, was aber nicht bedeutet hat, dass die Mursi von uns abgelassen hätten. Immer mehr umzingelten unser Auto, klopften gegen die Scheiben und sind auch nicht aus dem Weg gegangen. Unser Fahrer musste den Motor aufheulen lassen und hupen, damit sie endlich Platz machten und wir den Rückweg antreten konnten.
Nach dieser Szene war mir aber auch klar, warum der Scout sein Gewehr dabei hatte. Wenn sich allein beim Verlassen des Stamms solche Szenen abspielen, dann kann ich mir wirklich gut vorstellen, wie schnell die Stimmung in wirkliche Aggression umschlagen kann, wenn sich jemand falsch verhält. Und dann sind da ja noch die Kalaschnikows...
Trotzdem war es ein wahrhaft faszinierendes Erlebnis, bei den Mursi gewesen zu sein. Ich bin aber auch zwigespalten, ob es eine gute Sache ist, dass wir als Touristen diesen Stamm besuchen. Einerseits ist es spannend die Mursi zu erleben und sie zu sehen, andererseits frage ich mich inwiefern wir diese Menschen beeinflussen und vielleicht auch ihre Kultur kaputt machen. Vor 20 Jahren ist noch keiner mit einer Kalaschnikow durch die Gegend gelaufen und sie konnten in Ruhe ihrem Alltag nachgehen, heute sind sie eine Touristenattraktion und werden wie im Zoo begafft. Ob man das wirklich unterstützen sollte? Oder ist es so, dass wenn ich nicht dahin fahre, dann fährt halt ein anderer hin? Ich weiß es nicht und ich bin weiterhin unentschlossen, wie ich darüber denken soll. Einerseits bin ich froh das erlebt zu haben und die Mursi gesehen zu haben, gerade auch weil man nicht weiß wie lange sie noch so leben werden, andererseits habe ich auch ein schlechtes Gewissen, ob es wirklich richtig war, wie so viele andere vor mir hinzufahren und damit vielleicht auch den Untergang dieser Kultur zu fördern.
Was gibt es über den heutigen Tag sonst noch so zu berichten? Nach einer Panne im Nationalpark (Platten, linkes Rückrad), einem Stau (Baggerarbeiten im Nationalpark) und einem Mittagessen (der beste Avocadosalat ever!), ging es schon auf die Rückreise. Unser Ziel des Tages: Arba Minch.
Die Rückfahrt war bis auf eine weitere Panne unspektakulär und gemütlich. Wir hatten genug Zeit für die Fahrt, das Wetter war gut und ein bisschen Zeit für kleine Fotostopps hatten wir auch. Was will man mehr?
Wir waren auch richtig gut in der Zeit bis wir irgendwo zwischen Konso und Arba Minch auf Kühe gestoßen sind. Wir sind bestimmt eine gute dreiviertel Stunde lang hinter Kühen her und an Kühen vorbeigefahren sein. Das waren auch riesengroße Herden, die da auf der Straße lang getrieben wurden. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Kühe gesehen!
Aufgrund dessen sind wir jedenfalls doch erst nach Einbruch der Dunkelheit in Arba Minch angekommen. Dummerweise war aus unerfindlichen Gründen heute die komplette Stadt ausgebucht. Es waren nur noch in einer Pension Zimmer zu bekommen und uns war sehr schnell klar warum...
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das der widerlichste Ort ist, an dem ich je geschlafen habe. Es stinkt, es ist dreckig, es gibt kein Licht im Bad und die Moskitonetze scheinen zu leben. Was hier an Getier so rumkrabbelt... übel... und die Flecken auf der Matratze... urgh...
Ich hoffe inständig dass es sehr schnell morgen früh ist!

Freitag, 8. April 2011

08.04.11: Spontantrip Tag 2: Pleiten, Pech und Pannen

Oh, wie schön ist es ausgeschlafen aus einem gemütlichen Bett aufzustehen und voller Vorfreude in den Tag zu starten. Letztere wurde aber ziemlich schnell gedämpft, weil unser Auto zuerst in die Werkstatt musste. Diagnose: keine Bremsflüssigkeit mehr. Wie beruhigend zu wissen...
Als das Problem behoben und der Tank gefüllt waren, konnte es dann doch endlich los gehen. Unser heutiges Ziel: Jinka. Das ist ein kleines Städtchen vor dem Mago National Park, was schlussendlich unser Ziel ist. Auf, auf! Los geht’s.
Ok, Auf, auf streiche ich besser wieder, unser Weg hat uns nämlich auf die wahrscheinlich schlechteste Straße Äthiopiens geführt. Selbst die schlimmste Straße zur entlegenstens Alm bei uns ist besser als diese Schlaglochpiste. So bin ich noch nie durchgeschüttelt worden.
Dummerweise hat sich die bescheidene Straße nach einer Stunde fahrt gerächt. Zuerst hat es im Auto komisch gerochen, dann hat unser Fahrer angehalten. Das rechte Hinterrad scheint kaputt zu sein. Aber was es wohl ist? Ich bin ziemlich planlos was Autos betrifft und sicher nicht qualifiziert, das jetzt korrekt zu beschreiben. Man verzeihe mir das bitte.
Mit dem Reifen an sich war auf jeden Fall alles in Ordnung, aber wie es schien, drehte sich das Rad nicht mehr richtig. Unser Fahrer ist ziemlich kompetent und hat wohl auch Jahre in einer Werkstatt gearbeitet, aber irgendwie schien das Problem doch komplexer zu sein.
Auf jeden Fall hat er ziemlich lange daran rumgebastelt, ist aber zu keinem Ergebnis gekommen. Wenigstens ist die Straße auf der wir unterwegs waren ziemlich belebt. Immer wieder fahren Autos und LKWs vorbei und die meisten halten auch an und fragen was los ist. Also das genaue Gegenteil von dem was im Reiseführer steht. Es scheint so als würde das richtige Werkzeug fehlen.
Es gibt auch ziemlich viele Menschen die vorbei kommen und sich unsere Situation ansehen. Zeit spielt hier eine ganz andere Rolle und so macht es auch nichts wenn man mal eine Stunde den Ferengi zuschaut, die versuchen ihr Auto zum Fahren zu bewegen.
Apropos eine Stunde... HILFE! Wir müssen doch weiter! Sonst schaffen wir es nie nach Jinka und dorthin müssen wir heute auf jeden Fall, sonst können wir uns die Mursi aus dem Kopf schlagen.
Kurz gesagt: so langsam wurden wir alle nervös.
Die Kinder die hier so vorbei laufen, mit Wasserflaschen, Holz, Macheten und Scharen von Tieren, verstehen es wenigstens uns abzulenken. Mit Händen und Füßen unterhält man sich, es wird Faszination und Amüsement über meine Frisur ausgedrückt und – selbstverständlich – werden auch Fotos gemacht. Weil man ja Zeit hat, will man unbedingt alle meine 500 Äthiopienfotos sehen. Was die Kinder besonders lustig fanden, waren Fotos von Tieren. Ich wette die haben mehr als einmal „Schau mal, die Frau hat ein Foto von … (Tier bitte hier einfügen) gemacht.“, auf amharisch gesagt und sich dabei krumm gelacht. Genau weiß ich das selbstverständlich nicht, weil mein Amharisch nur zum Essen bestellen reicht, aber das war sicher so.
Eineinhalb Stunden nachdem wir liegen geblieben sind, kam wieder mal ein LKW vorbei, der unserem Fahrer geholfen hat. Nach einigen wenigen Worten, hat er ihm Werkzeug gegeben und ist wieder abgedüst. Das war endlich der Durchbruch!
Dann ging alles ganz schnell und unser Rad funktionierte wieder. (Für die Autointeressierten: Soweit ich das aus der Mischung aus Englisch und Französisch, die wir mit unserem Guide gesprochen haben verstanden habe, war das Radlager das Problem. Irgendwas hat sich da verkantet und deshalb hat sich wohl das Rad nicht mehr gedreht. Auf jeden Fall war das so blöd verhakt, dass es deshalb so lang gedauert hat, das wieder zu richten).
Nach unglaublich langen und heißen 2 Stunden konnte die Fahrt endlich weiter gehen! Leider mit dem unguten Gefühl im Magen, dass wir 2 Stunden verloren haben und vermutlich doch nicht mehr nach Jinka fahren können. Das ist einfach zu weit weg und wenn die Straße so weiter geht, dann haben wir keine Chance. Also doch Bötchen tuckern und Tiere anschauen? Ach Mensch!
Wie auch immer, unser Ziel war jetzt erstmal Arba Minch und alles weitere sieht man dann.
Nach dem Mittagessen (in „Ali's Hotel“ nicht teuer und lecker!) habe ich das heikle Thema doch angesprochen. Wir mussten ja wissen, wie es nun weiter geht.
Die Antwort: „Wir fahren so weit wie wir kommen.“ Sollte das etwa heißen, dass es doch machbar sein könnte?
Also schnell auf in den Jeep. Gestärkt ging es wieder auf die – überraschend gute! - Piste. Und sie blieb gut! Nach 1,5 Stunden machten wir eine kurze Pause in Konso. Von Arba Minch bis dort sind es 130 km. Rekordverdächtig! Wenn das so weiter geht, dann wird das ja doch noch was!
Konso ist übrigens ein sehr schönes kleines Städtchen, hier würde ich durchaus mehr Zeit verbringen können. Aber die Zeit drängt ja. Ein längerer Zwischenstopp wäre nur ohne die Panne möglich gewesen.
Also weiter! Wie gestern schlängeln sich die Straßen durch die Landschaft und inzwischen merkt man auch deutlich, dass wir das Hochplateau auf dem Jimma liegt verlassen haben. Es wird heißer und die Landschaft verändert sich komplett. Die saftig grüne Landschaft mit ihrer roten Erde, die ich aus Jimma kenne, ist inzwischen brauner Erde gewichen und ist auch nicht mehr so dicht bewachsen. Die Anzahl der Bäume hat auffallend abgenommen. Auch die Rundhütten sehen hier anders aus; wie es scheint werden je nach Region die Dächer anders gedeckt.
Die Straßen sind im übrigen weiterhin ziemlich gut, vermutlich die besten auf denen ich in Äthiopien bisher gefahren bin. Trotzdem ist die Fahrt anstrengend, denn man wird ordentlich durchgeschüttelt.
So langsam bricht auch die Dämmerung herein und es wäre eigentlich Zeit, dass wir ankommen. Aber seit Konso sind wir nur durch ein kleines Dörfchen gefahen und haben ansonsten nur vereinzelte Hütten gesehen. Es ist schon ziemlich düster als wir Key Afar erreichen, ein Ort 70 km vor Jinka. Bleiben wir jetzt hier? Wie es scheint wohl nicht, aber das hieße ja, dass wir mindestens eine Stunde in der Dunkelheit fahren müssen. Es ist schon seltsam. Zu Hause würde ich mir niemals darüber Gedanken machen ob ich jetzt im Dunkeln fahren muss oder nicht, hier hingegen habe ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Nicht nur wegen der Nachtfahrt (von der unser Fahrer auch nicht begeistert ist und wovon auch immer abgeraten wird), sondern auch weil ein Gewitter im Anmarsch ist.
Die restliche Fahrt ist langsam und vorsichtig. Auf den letzten 30 km wird gebaut, entsprechend müssen wir auf provisorischen Straßen fahren und die sind nicht sonderlich gut. Außerdem haben die Scheinwerfer eine Reichweite von 5 Metern. Super!
Aber glücklicherweise kommen wir doch noch gut in Jinka an. Eine Bleibe für die Nacht ist auch relativ schnell gefunden (Mekone Pension, 60 ETB für's Einzelzimmer, ganz nett, aber die Sauberkeit lässt sehr zu wünschen übrig (besonders im Bad...).
Es ist kaum zu glauben, aber wir haben es tatsächlich geschafft! Die Mursi sind zum Greifen nah!

P.S.: Ich glaube das Gewitter diese Nacht ist das schlimmste Gewitter, das ich je erlebt habe. Wäre ich Asterix, dann wäre ich in diesen Nacht überzeugt gewesen, dass mir der Himmel auf den Kopf fällt.