Samstag, 3. März 2012

03.03.12 - Zürich: First Impressions

Kaum zu glauben. Meine erste Woche im PJ ist schon vorbei! 
Nachdem ich meine ersten Tage nur in der Klinik, mit Einkaufen und Organisationskram verbracht habe ist es jetzt allerhöchste Zeit auf Erkundungstour zu gehen. 
Das Wetter ist der absolute Wahnsinn (knapp 20°C, blauer Himmel  und strahlender Sonnenschein), weshalb es naheliegend ist, das Fahrrad zu nehmen. 
Mein erstes Ziel: der Kreis 5. Ich gebe zu, das ist nicht wirklich DIE Sightseeing Location, aber ich hab einerseits Lust zu radeln und andererseits will ich eine Runde knipsen. Davon abgesehen hat mein Taschentick zugeschlagen und will, dass ich den den „Freitag-Tower“ genauer inspiziere.

Der Freitag Tower
Der Kreis 5 Iiegt im Zürcher Westen und ist so gar nicht Zürich. Wenn ich an Zürich denke, dann fallen mir in ersten Linie kleine Häuschen und schmale Gassen ein. Der Kreis 5 war früher einmal das Industrie- und Arbeiterviertel. In den 1980ern starb das Viertel aus, die Arbeiter zogen weg und es kamen die Studenten und Künstler und es mutierte zum Trendviertel. Soviel dazu. Was ich ganz spannend finde, ist die Tatsache, dass das Viertel voller Gegensätze ist. Einerseits stehen noch viele alte Fabrikhallen, die heute anderweitig genutzt werden, andererseits gibt es hier sehr viele hochmoderne Bauten. 
Old & New
Der Freitag Tower ist auch eine witzige [Für die Menschen ohne Taschentick: die Freitag Taschen sind diese (Umhänge)Taschen, die aus alten LKW-Planen gefertigt werden und (leider) sauteuer sind] Sehr passend zur Markenphilosophie haben die Herren Freitag einen Turm aus 17 alten Überseecontainern bauen lassen. Hier findet sich auch - wie könnte es anders sein - ein Freitag Flagshipstore. Auf 3 Etagen gibt es alle Modelle der Firma. Wenn man sich durch diese gekämpft hat (der Laden war echt absolut rappelvoll!), kann man über mehrere Treppen, die Spitze des Turms erklimmen. Von dort aus hat man eine ganz nette Aussicht über die Stadt.
Wer das entsprechende Kleingeld hat, kann hier übrigens auch hervorragend shoppen. Was ich besonders cool fand, waren die vielen Läden, die unter den Bögen des alten Eisenbahnviadukts ihre Lokale haben. Hier merkt sich auch, dass man im Trendviertel der Stadt ist. Viele kleine Designer haben hier einen Laden. 
Viadukt
Mir gefällt die Atmosphäre hier sehr gut. Es gibt an jeder Ecke was zu sehen und es einfach ein bisschen anders als der Rest von Zürich. 
Ich bin später natürlich auch noch ein wenig in die Altstadt. Die ist sehr verwinkelt und verschnörkelt. Hübsch, aber einfach der totale Gegensatz.
Das war‘s auch schon für heute. Nur Impressionen sammeln.
Zürich am Abend

Montag, 27. Februar 2012

27.02.2012 - Day 1

Ab heute bin ich offiziell PJane bzw. hier in der Schweiz bin ich Unterassistentin auch Uhu genannt. Um 8 Uhr ging‘s los.
Wir mussten uns erstmal im Sekretariat vorstellen und bekamen einen Stapel Unterlagen, einige organisatorische ToDos (Anmeldung, Konto eröffnen, Kleidung holen und noch vieles mehr...) und vor allem den Dienstplan! Bis April bin ich 4 Wochen auf der allgemein-internistischen Bettenstation, 4 Wochen in der Kardiologischen Ambulanz und in der Notaufnahme. Was dann kommt weiß nur Betty. 
Gegen 11 war ich endlich auf Station, wo ich direkt in die Oberarztvisite gestolpert bin. Die Assistenzärztin mit der ich heute arbeiten musste, war schockierend unfreundlich. Ein Glück ist sie nur eine Aushilfe. Sie machte es leider sehr offensichtlich, dass sie zwar wollte, dass ich ihr Arbeit abnehme, sie mir aber im Gegenzug bestimmt nicht vor hat mir groß was zu erklären oder zu zeigen (blöd für sie, dass ich dann nicht die Klappe halte, sondern erst Recht Fragen stelle). Der permanente Assistenzarzt, der Oberarzt und das Pflegeteam sind aber auf jeden Fall alle sehr nett und kompetent.
Das Patientenspektrum ist wirklich allgemein-internistisch und entsprechend breit gefächert. Von der dekompensierten Herzinsuffizienz, über das Fieber unbekannter Ursache, bis zur Cholangitis liegt hier alles. Das wird noch interessant. 
Was sehr angenehm ist: jeder Uhu hat seinen eigenen Computer und es wir hier alles digital dokumentiert. Keine manuellen Pflegekurven, keine ausgedruckten Labore, kein entziffern von Sauklauen. Alles im Computer und auf Visite geht man mit dem Laptop. Traumhaft!
Eine meiner Aufgaben ist es die neuen Patienten aufzunehmen, die Labore zu verordnen, die Tagesverläufe zu schreiben, aterielle Punktionen, verschiedne andere Test usw. Ich darf also ziemlich viel eigenständig machen. Nur eines muss ich nicht machen: Blut abnehmen und Zugänge legen. Herrlich!
Was gibt es vom ersten Tag sonst so zu erzählen? Nichts besonderes eigentlich. Ich darf recht selbstständig arbeiten, ich hab seit meiner letzten Famulatur nichts verlernt und arterielle Blutgase stechen kann ich besser als die unfreundliche Assistentin. [Strike!]
Fazit Day 1: Interessant, aber anstrengend. Bin gespannt wie‘s weiter geht.


Das USZ von oben

Sonntag, 26. Februar 2012

Next destination: Zurich, Switzerland

Meine Wohnung ist leer geräumt, der Schlüssel an meine Zwischenmieterin übergeben. Meine 2 Koffer und mein Rucksack stehen neben mir. Ein seltsames Gefühl, die Wohnungstür hinter mir zuzuziehen und zu wissen, dass ich München für die nächsten 6 Monate den Rücken kehren werde. Kein Abschied für immer, aber irgendwie doch seltsam. So eine Mischung aus juhuuuuuuu und oh mein Gott!
Dank meiner Taxiapp, kann ich direkt ins Taxi springen und werde zum Busbahnhof gefahren. Der ist völlig ausgestorben. Ich lagere also mein Gepäck zwischen und besorge mir noch was zum Essen bei Vapiano (leckere Nudeln mit Tomaten und Mozzarella). 
ZOB München - vollkommen ausgestorben
Dankenswerterweise ist der Bus nach dem Essen schon da, also kann ich mein Gepäck direkt in den Kofferraum verfrachten, mich reinsetzen und auf Jana warten. (Ja das ist die selbe Jana, die auch in Äthiopien war. Und es ist eine Kumulation von sehr viele. Zufällen, dass wir gleichzeitig in Zürich sind! Das war nicht abgesprochen.)
Die Busfahrt ist nett und unspektakulär. Es gibt Kekse, Wasser und Bonbons für alle und es läuft irgendein Film mit Meryl Streep. Jana und ich haben endlich mal wieder Zeit zum ratschen und so vergehen die 5 Stunden bis wir in Zürich sind einigermaßen schnell. 
Dort angekommen, fahren wir erstmal in Janas Wohnung, wo mein Fahrrad und noch 2 Koffer mich erwarten. Es ist sehr praktisch Freunde zu haben, die mit dem Umzugswagen nach Zürich reisen, kann ich da nur sagen! Ich mache mich erstmal mit einem Teil meines Gepäcks auf den Weg zur Frauenklinik, wo der Schlüssel zu meinen Wohnheimszimmerchen hinterlegt ist. 
Im Wohnheim angekommen bin ich erstmal sehr positiv überrascht, denn mein Zimmer ist riesig. Kein winziges Kabuff, wie ich es erwartet habe, sondern ein echt schönes grosses Zimmer, mit passablen Möbeln und Stück an der Decke. 
Nachdem ich mein restliches Gepäck mit dem Taxi ins Wohnheim gebracht habe, geht es ans Eingemachte: auspacken. 
Irgendwann, nach 2 Stunden Sachen hier hin, Sachen dort hin und nochmal von vorne einräumen, weil es mir doch nicht passt, bin ich endlich fertig. Mein Zimmer für die nächsten 4 Monate ist offiziell bewohnbar und ich kann entspannt ins Bett fallen.


meine Straße für die nächsten 4 Monate

Samstag, 25. Februar 2012

I'm back

Lang, lang ist ruhig hier gewesen, aber jetzt geht's weiter hier. Das nächste halbe Jahr werde ich im Ausland verbringen.
Warum, wieso weshalb geht's diesmal ins Ausland? Fürs Praktische Jahr (PJ). Ich bin jetzt tatsächlich im letzten Jahr meines Studiums angekommen. Das bedeutet: 4 Monate Innere, 4 Monate Chirurgie und 4 Monate Wahlfach - in meinem Fall Anästhesie.
Nachdem ich aber nich so ganz einsehe ein ganzes Jahr in Deutschland ausgebeutet zu werden (fürs PJ gibt es kein Geld...) und es vorerst meine letzte Chance sein wird längere Zeit im Ausland zu verbringen, musste ich die Gelegenheit am Schopf packen, um  nochmal ein bisschen mehr von der Welt zu sehen.
Die Ziele diesmal: für die nächsten 4 Monate Zürich, danach 2 Monate Montreal. Was da noch dazukommen wird, wird sich zeigen. Man kennt mich ja: wenn ich im Ausland bin kann ich nur schwer still sitzen.
Also dann: bis demnächst :)
Eure Noxi 

P.S.: die fehlenden Äthiopienposts kommen noch. Versprochen!

Freitag, 22. April 2011

22.04.2011: Weiter nach Bahir Dar

Nachdem wir den Weg zurück zu unserem Hotel gefunden haben (irgendwie wollten die Bajaj-Fahrer irgendwo anders hin...), unser Gepäck eingesammelt hatten und in das nächste Bajaj gestiegen waren, war unser nächstes Ziel der Busbahnhof.
Jana und ich hatten das erste Bajaj genommen und waren mindestens 20 Minuten vor den Jungs da. Ich muss sagen: diese 20 Minuten zähle ich definitiv zu den 20 längsten Minuten meines Lebens.
Wir standen einfach so da, am Straßenrand mit unserem Gepäck, mitten im wildesten Treiben in Gondar und ganz weit weg von jeglichen Touristengeschichten. Dementsprechend wurden wir von jeder 0,5. Person angesprochen. Das bedeutet, wir wurden angebettelt („Gimme money!“), angesprochen („You wanna Ethiopian husband??“) und angegafft („you, you, you, you, youuuuuuuuuuu!“). Außerdem versuchte man uns alles mögliche zu verkaufen (Soft, Kaugummis, Schuhe, Bananen, Mangos....) und uns wurde 100 Mal angeboten mit irgendwelchen Leuten nach Bahir Dar zu fahren.
Ja, das auf dem Minibus ist ein Schaf (die Beine zusammengebunden auf dem Dach festgezurrt)
Letzteres war ja unser Ziel, aber eben nicht ohne die Jungs. Also hieß es abwarten, höflich alle irgendwie abwimmeln und hoffen, dass der Bajaj-Fahrer der Jungs sie endlich abliefert.
Ich sag‘s euch, das war wirklich nichts für meine Angst beklaut zu werden...
Als die Jungs endlich da waren, dauerte es etwa 10 Sekunden bis wir auf dem Weg zu einem Minibus waren, der uns nach Bahir Dar bringen sollte.
Im Bus wurden vom Fahrer erstmal die Leute durch die Gegend gescheucht, damit wir die besten Plätze hatten (das war mir wahnsinnig unangenehm). Dann konnten wir noch ein wenig das Treiben auf dem Busbahnhof beobachten, bevor wir uns auf den Weg machten.
Wobei „auf den Weg machen“ vielleicht doch erstmal ein wenig zu viel gesagt ist. Der Fahrer schien nicht so ganz Herr des Wagens zu sein, oder nicht Herr der Kupplung. Sein Fahrstil war doch ein wenig holprig, was doch ein wenig beunruhigend war. Wir kamen jedenfalls nur knapp bis zum Stadtrand, als wir eine sehr schnelle Kehrtwendung machten, die im Hof eines Mechanikers endete. Wir scheinen kaputte Autos anzuziehen.
Einige Zeit später legte ein weiterer Minibus neben uns eine Vollbremsung hin und unter lautem Gerumpel und Geklapper wurde unser Gepäck von einem Dach zum anderen gehievt und mit Seilen wieder festgezurrt.
Unser Minibus war nicht so modern... der Ersatz leider auch nicht...
Als auch alle Fahrgäste im „neuen“ Auto platzgenommen hatten, ging die Fahrt weiter bzw. los.
Die Straße nach Bahir Dar ist erstaunlich gut ausgebaut und so war die Fahrt tatsächlich einigermaßen erträglich. Man wird zwar trotzdem ordentlich durchgeschüttelt, aber ich habe hier schon wesentlich schlimmeres erlebt.
So ging die Fahrt, dann recht zügig weiter, auch wenn wir immer wieder stehen blieben, um neue Leute einsteigen zu lassen. Hier möchte ich anmerken: neue Leute einsteigen lassen, bedeutet nicht unbedingt, dass Leute vorher aussteigen. Ich hatte ja geglaubt, dass wir voll besetzt (9 Leute in einem 9Sitzer) losgefahren sind. Wie naiv. Irgendwann auf halber Strecke nach Bahir Dar waren wir 17 Leute in diesem Minibus! Zu allem Übel begann es dann auch noch zu regnen und das ganze Gepäck wurde zu uns 17 vom Dach ins Auto geschafft. Nett ausgedrückt war es kuschelig...
Dankenswerterweise sind einige von den 17 Leuten nach einem Drittel der Strecke wieder ausgestiegen, das Wetter wurde auch wieder besser und das Gepäck durfte wieder auf‘s Dach.
Die ausgestiegenen Passagiere wurden im nächsten Ort von ein paar betrunkenen Bauern ersetzt, die aber im übernächsten Ort schon wieder aus dem Auto geschmissen wurden.
Nach ein paar weiteren „minor disturbances“, kamen wir nach über 3 Stunden endlich in Bahir Dar an. Nachdem wir absolut keine Lust hatten noch großartig nach einem Hotel zu suchen, folgten wir einfach dem „Geheimtipp“ des Lonely Planet (was bedeutet ungefähr jeder, der mit dem Lonely Planet reist war dort...) und ließen uns ins Ghion Hotel bringen, wo wir auch zu Abend gegessen haben (leckeres Essen, inkompetente Kellner).
Das Ghion Hotel liegt sehr idyllisch direkt am Tana See. Die Zimmer sind ziemlich heruntergewohnt, aber wenigstens halbwegs sauber und (mein persönliches Highlight) es gibt warmes Wasser. Ich habe in Äthiopien definitiv schon schlechter gewohnt. Gekostet haben die Zimmer 350 ETB pro Nacht, was doch ziemlich teuer ist für Äthiopien. Die Lage am See ist es aber wert. Man muss aber sagen: die Angestellten sind alle (insbesondere die Kellner!!) vollkommen inkompetet. Seid gewarnt.

22.04.2011: Gondar 2

So, Tag 2 in Gondar. Wir haben beschlossen uns einen gemütlichen Tag zu machen und nicht in die Simien Mountains zu fahren. Warum? Das ist einfach zu erklären. Ich habe die Geschichte von dem „Guide“ gegoogelt, weil ich ein komisches Gefühl bei der Sache hatte. Schon beim 3. Link wurde ich fündig. Es wurde von „Guides“ berichtet, die einem Halbtagesausflüge in die Simien Mountains anbieten, um die Gruppe zu füllen. Wenn man zusagt, dann sind anscheinend die Mitreisenden plötzlich weg und der Trip wird teurer und die Herrschaften finden wohl auch noch viele andere Gründe um noch mehr Geld zu nehmen als abgesprochen. Vorsicht Falle!
Als der Guide mich später am Nachmittag also angerufen hat, habe ich angefangen unangenehme Fragen zu stellen, woraufhin ich ausweichende Antworten bekam und dann brach auch noch die Verbindung zusammen. Seltsam. Einige Stunden später rief er wieder an, ob wir nun mitkommen würden. Ich vertröstete ihn auf später, damit ich mich mit den anderen absprechen konnte. Eine halbe Stunde verging, da klingelte das Telefon wieder. Wieder der Guide. Ich hatte den anderen berichtet was ich rausgefunden habe (unter anderem auch, dass es gar nicht in die Simiens geht, weil man allein einen halben Tag fahren muss um zu den Ausläufern zu kommen) und wir haben beschlossen nicht mitzufahren. Genau das habe ich dem Guide dann auch erklärt. Dann ging es aber rund. Er hätte den Engländerinnen schon gesagt dass wir kommen, er will jetzt das Geld von uns und und und. Er wurde richtig ausfallend! Daraufhin habe ich ihm erklärt, dass ich der Geschichte nicht ganz traue und wir so erst Recht nicht mitkommen würden. Er fing an weiter zu fluchen. Da reichte es mir aber endgültig und ich legte auf. Er hat im Laufe des Abends immer wieder versucht mich zu erreichen, aber ich habe einfach nicht mehr darauf reagiert.
Ein bisschen hart, könnte man jetzt sagen. Vielleicht war es ja doch ein ehrlicher Mensch. Das hatte ich kurzzeitig auch gedacht, aber nachdem wir heute mehrfach mit der identischen Masche angesprochen wurden, glaube ich das nicht.
Nachdem wir wieder im Telecafé gefrühstückt und ein wenig nach Souvenirs geshoppt hatten, war unser nächstes Ziel das Gondar Museum. Uns wurde in der Touristeninformation empfohlen das Museum zu besichtigen, weil es sehr interessant sei. Dazu kann ich nur sagen: interessant geht anders! Zunächst darf man 50 ETB Eintritt berappen, um dann Highlights wie Haile Selassie's Esstisch zu sehen. Das war ja noch halbwegs in Ordnung, aber als wir in ein paar Hinterzimmer geführt wurden, dachten wir der Führer wollte uns verarschen. In einem Raum stand eine vollkommen durchgesessene, alte Couchgarnitur, in einem anderen befand sich ein altes, kaputtes Badezimmer. Anscheinend Hinterlassenschaften der Italiener. Spannend...
Wenn ihr vor habt, euch dieses Museum anzusehen, kann ich nur empfehlen es zu lassen. Selbst umgerechnet 2 € Eintritt waren zu viel für diesen „Schmarrn“.
Alte Möbel von der italienischen Besatzungsmacht. Ja, um das zu sehen haben wir Geld ausgegeben...

Damit hatten wir alle Sehenswürdigkeiten in Gondor abgehakt und Zeit ein wenig zu bummeln. In Gondar sieht man die Spuren, die die Italiener in den 1930er Jahren hinterlassen haben sehr deutlich, vor allem aber in der Architektur. Beim Laufen durch die Stadt fühlte ich mich immer wieder an Stadtviertel in Italien erinnert, ganz besonders aber an der Piazza (da wo auch das Telecafé ist).

Die Piazza. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich glauben wir sind in Italien.  Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man rechts das Telecafé!



Weil wir Zeit hatten und Gondar noch ein wenig genießen wollten, sind wir noch einmal zum Goha Hotel gefahren. Die Aussicht ist einfach zu schön dort! So konnten wir Gondar bei einem Mittagessen und Kaffee noch ein wenig auf uns wirken lassen, bevor wir uns auf den Weg nach Bahir Dar machten.

Et voilà: die Aussicht vom Goha Hotel (im Bild: der Gemp)

Donnerstag, 21. April 2011

21.04.2011: Gondar

Wer hat eigentlich so frühe Flüge erfunden? Ich hasse ihn! Nach einer viel zu kurzen Nacht und dem Frühstück in einem Burgerladen, waren wir wieder am Flughafen. Unglücklicherweise hatte der Burgerladen keine Kaffeemaschine und ich war auf schwerem Koffeinentzug. Wie kann man mir so etwas nur antun? Eine Qual!
Der Flughafen in Addis ist ein wenig technologisierter als der Flughafen in Jimma. Deshalb waren die Sicherheitskontrolle und der Checkin wie aus Europa gewohnt. Sogar zugeteilte Sitzplätze haben wir heute. Toll!
Bevor wir zu unserem Gate durften, mussten wir und unser Handgepäck durch eine weitere Kontrolle. Danach ging die Warterei los, wie immer wenn man fliegt.
Unser Flugzeug war wieder eine Propellermaschine und ich bin noch vor dem Abheben eingeschlafen. Kurz vor dem Tana-See wurde ich von einer Stewardess mit Essen geweckt. Kaffee wäre mir lieber gewesen. Aber so konnte ich noch ein wenig die Landschaft unter mir auf mich wirken lassen.
In Gondar gelandet haben wir unser Gepäck vom kürzesten Gepäckband der Welt geholt und dann versucht ein halbwegs günstiges Taxi in die Stadt zu finden. Billiger als 50 ETB pro Person ging es leider nicht, aber man kann nicht alles haben.
Wieder erwartete uns die Hotelsuche. Im Reiseführer hatten wir das „Terrara Hotel“ gefunden, das als günstig und gut deklariert wurde. Mit 75 ETB für ein Einzelzimmer mit Dusche ist es tatsächlich günstig, aber gut ist was anderes. Das Niveau entspricht in etwa der Halleluja Pension in Abra Minch und auf noch eine Nacht in der ich nicht schlafen kann weil ich Angst habe, dass mir eine Kakerlake in den Mund krabbelt, hatte ich echt keine Lust.
Nach ein wenig Überzeugungsarbeit ließen die anderen sich breit schlagen, sich noch 1 – 2 andere Hotels anzusehen. Zurückkommen kann man immer noch. Gleich neben dem „Terrara Hotel“ steht die „Crown Pension“. Eine nette kleine Pension, mit großen, schönen, sauberen Zimmern und Bad mit warmem (!!) Wasser. Der Luxus kostet 270 ETB für das Doppelzimmer, aber war es wert. Die Inhaber sind sehr bemüht und die Lage ist auch sehr gut.
Das geklärt haben wir uns auf Futtersuche begeben, die uns ins Telecafé geführt hat. Ein Tipp von einer aus unserer Gruppe, die vor uns in Gondar war. Ich kann den Tipp nur weitergeben. Das „Ful“ ist super, auch sonst haben sie gutes Essen, der Kaffee ist lecker und die Bedienung freundlich. Auch die Preise sind nicht übertrieben.
An der Post wurden wir, während die Jungs Briefmarken kaufen waren, von einem Typen angesprochen. Ob wir geplant hatten in die Simian Mountains“ zu fahren. Das hatten wir natürlich nicht, aber er machte uns ein interessantes Angebot: er habe da schon zwei englische Mädels, die morgen für einen halben Tag in die Simien's fahren wollen und noch Mitfahrer suchen. Kostenpunkt in etwa 250 ETB pro Person und Treffen heute Abend um 17 Uhr um alles weitere zu besprechen. Das klang schon irgendwie cool, aber in einem halben Tag Simien's und zurück? Man kann es sich ja mal anhören und dann entscheiden was man macht.
Unser nächstes Ziel war das Goha Hotel. Das teuerste Hotel der Stadt und definitiv nicht unbedingt in unserer Preisklasse, aber von dort hat man eine wahnsinns Aussicht über Gondar. Ich kann nur empfehlen für einen Kaffee oder ein Essen dort hin zu fahren und den Blick von der Terasse aus zu genießen.
Zurück im Zentrum, machten wir uns auf den Weg zum Gemp. Die Palastanlage ist eine der Sehenswürdigkeiten, die man in Gondar gesehen haben sollte. Sie wurde von 6 aufeinanderfolgenden Kaisern erbaut und ist von einer Schutzmauer umgeben. In der riesigen Anlage gibt es auch einiges zu sehen, zum Beispiel die sechs Schlösser die von den Kaisern erbaut wurden. Die Tradition in Äthiopien war zu dieser Zeit, dass der Sohn, nachdem er dem Vater auf den Thron gefolgt war, ein neues Schloss errichtet und dieses mit seiner Familie bezieht. Die restlichen Verwandten lebten nach der Fertigstellung aber weiterhin im alten Palast.
Nur ein kleiner Ausschnitt vom Gemp. Das Gelände ist riesig!
Hier die Tourifacts zum Gemp: Eintritt für den Gemp und das Bad des Fasilidas beträgt 100 ETB. Für die Leute die nicht zu dumm sind ihren Studentenausweis mitzunehmen kostet er nur 75 ETB. Außerdem hat man am Ticketoffice auch die Möglichkeit einen Guide zu buchen. Das sind keine Pseudoguides, wie sie einem in Addis und auch in anderen großen Städten hier gern begegnen, sondern staatlich angestellt und geprüfte Führer, die wissen wovon sie reden und gut Englsch sprechen. Für 150 ETB gibt es den Führer für den Gemp unf für 300 ETB einen Führer für den Gemp, das Bad des Fasiladas und die Debre Selassie Kirche. Wir haben zusammengelegt und den Guide für alle 3 Sehenswürdigkeiten genommen. Meiner Meinung nach hat sich das auf jeden Fall gelohnt. Hier ist es nicht so, wie bei uns, dass überall Informationstafeln stehen, die einem erklären was man so sieht und selbst die beste Beschreibung im Reiseführer ist nicht so hilfreich wie ein Guide.
Der Gemp ist auf jeden Fall beeindruckend. Ich finde die Bezeichung „Camelot Äthiopiens“ ist nicht ganz unberechtigt. Auch sind die Palastanlagen wirklich bemerkenswert, auch wenn sie teilweise zerfallen sind. Das hat man einerseits der Zeit, andererseits, aber leider auch den italienischen Belagerern zu verdanken, die beim Verlassen des Landes vieles zerstört haben. Vieles wurde in jahrelanger Kleinarbeit durch die UNESCO restauriert. Schritt für Schritt wird man durch Jahrhunderte von äthiopischer Geschichte geführt und lernt welche Intrigen teilweise hinter den Palästen stecken. Da hat der eine Bruder den anderen vergiftet um an die Macht zu kommen, die Mutter den Sohn über Jahre als Regentin vertreten, weil der Vater zu früh gestorben ist und und und. Ich liebe solche Geschichten; sie hauchen den Steinen leben ein.
Witzig ist auch, dass es im Gemp eine antike Sauna und auch ein Jacuzzi gab, direkt neben dem Löwenkäfig.
Damit dieser Bericht nicht absolut unlesbare Längen annimmt, höre ich besser auf vom Gemp zu erzählen und mache weiter mit dem Bad des Fasilidas.
Nach einer kurzen Bajaj-Fahrt kommt man bei dieser Anlage an. Vor ihr befindet sich ein alter Marschierplatz aus den Zeiten der DERG. Drinnen erwartet einen ein riesiges Becken (ca. 70 x 40 m), in dessen Mitte ein Haus steht. Das Becken ist leer und wird heutzutage nur einmal im Jahr zur Feier der Taufe Jesus gefüllt. Im 17. Jahrhundert wurde es von Fasilidas als Schwimmbad genutzt. Auch dieses Bauwerk ist beeindruckend. Insbesondere die Technik die dahinter steckt, finde ich spannend. Das Becken wird nämlich über einen umgeleiteten Fluss gefüllt (damals wie heute) und ist auch leicht abschüssig gebaut, sodass das ganze Becken durch ein einziges Loch geleert werden kann. Wenn das Bad heute gefüllt wird, dann dauert es 3 Wochen bis es komplett gefüllt ist.
Das Bad des Fasilidas - das Wasser Reicht bis zum Balkon, wenn das Bad gefüllt ist
Etwas ganz besonderes sind auch die Bäume die die Anlage umgeben. In das Gebäude, das mitten im Bad steht, kann man übrigens nicht gehen, weil es bis heute als religiöses Gebäude genutzt wird.
Wie genial sind die Bäume??
Nach einer weiteren Fahrt mit dem Bajaj, waren wir an der Debre Selassie Kirche angekommen. Bereits der zweite Versuch heute die Kirche zu besichtigen, weil sie früher am Nachmittag für einen Gottesdienst geschlossen war (heute ist ja Gründonnerstag...).

Ein paar orthodoxe Frauen nach der Messe
 Wir kamen gerade Recht, denn in dem Augenblick wo wir aus dem Bajaj stiegen, strömte eine Menschentraube aus der Kirche. Da haben wir aber Glück gehabt. Die Debre Selassie Kirche ist besonders bekannt für ihre traditionellen Malereien (denen werden wir in Bahir Dar auch noch mehrfach begegnen). Diese Malereien sind ganz anders, als das was man aus Europa kennt. Vom Stil her sind sie vielleicht am ehesten noch mit der Romanik zu vergleichen (relativ einfache Formen, keine Perspektive, aber viel bunter). Auch die Technik ist eine ganz andere als in Europa's Kirchen. Die Bilder werden auf Tüchern gemalt, die dann mit einer Art Kleber auf die Wand aus Lehm und Dung aufgebracht. Die Farben werden aus verschiedensten Pflanzensäften gewonnen (Pigmente hat man erst viel später kennengelernt). Interessant. Während unserer Besichtgung, ging die Messe übrigens weiter, denn in der Karwoche wird praktisch durchgebetet. Hier haben sich übrigens auch die Jahre als Ministrantin ausgezahlt: ich konnte die ganzen Geschichten zu den Wandmalereien erzählen.

So, hier noch ein Bild von der Decke der Kirche und jetzt höre ich endlich auf zu schwafeln!